ex plica in sepia mania

Sepia-Tusche auf Baumwollstoff, 9 x 12 m

Sepia Ink on Cotton fabric, 9 x 12 m

Kostka Gallery, Prag

Kostka Gallery, Prague

In ex plica in sepia mania ‚macht’ die Falte das Bild, erscheint multipliziert – franz. pli, Falte – auf einem monumentalen Format von 9 x 12 m. Die Stofffläche ist fast vollständig gefüllt, und auch wenn die Falten auf der Arbeitsseite schärfer konturiert sind als auf der Rückseite, geht die Malerei doch durch und durch,so wie eine Falte niemals nur eine Seite erfassen kann, sondern als materielle Operation immer aufs Ganze geht. Lediglich ein horizontaler Randstreifen bleibt unbearbeitet. Die Stoffbahn nach unten abschließend wie ein Saum ein Kleidungsstück, verbindet der weiße Streifen das frei in einer Kurve von der hohen Decke hängende Gewand optisch mit der Wand und ‚erhebt’ so die Falten, bringt sie zum Schweben und intensiviert sie dabei. Von Gewand und nicht von einem Vorhang oder einer Draperie zu sprechen scheint vielleicht befremdlich, gilt begrifflich aber der architektonischen Bezogenheit des ungegenständlichen Bildes. Durch manuelles Falten und Färben in der Art von Tagwerken realisiert, zeigt das Bild Falten. Sie erscheinen als Trompe-l’œil einer visuellen Form, die nicht malerisch simuliert, sondern ‚als sie selbst’ manuell prozessiert wurde. Konkreter: Zunächst transformieren Faltungen eine Fläche in ein dreidimensionales Gebilde. Die Sepia-Tusche durchtränkt den Stoff dann unterschiedlich stark, dunkler an der Oberfläche, heller, je tiefer die Faltschicht liegt, wobei sich die Kniffe klar abzeichnen. Beim späteren Auseinanderfalten sehen wir eben jenen illusionistischen Knittereffekt, der eine Falte auf der Stofffläche gleichsam als ins Unendliche vervielfältigt erscheinen lässt. Diese Produktionsweise ist in der Falte angelegt, begreifen wir Falten doch als gleichermaßen extensiven wie intensiven Prozess, der niemals bei sich stehen bleibt, sondern immer zu weiterem Ent/Falten führt. Und wie groß erst wäre das Tuch, glättete man all die virtuellen Falten?

Aus: Die Tat der Falte von Hanne Loreck, 2019

In ex plica in sepia mania ‚macht’ die Falte das Bild, erscheint multipliziert – franz. pli, Falte – auf einem monumentalen Format von 9 x 12 m. Die Stofffläche ist fast vollständig gefüllt, und auch wenn die Falten auf der Arbeitsseite schärfer konturiert sind als auf der Rückseite, geht die Malerei doch durch und durch,so wie eine Falte niemals nur eine Seite erfassen kann, sondern als materielle Operation immer aufs Ganze geht. Lediglich ein horizontaler Randstreifen bleibt unbearbeitet. Die Stoffbahn nach unten abschließend wie ein Saum ein Kleidungsstück, verbindet der weiße Streifen das frei in einer Kurve von der hohen Decke hängende Gewand optisch mit der Wand und ‚erhebt’ so die Falten, bringt sie zum Schweben und intensiviert sie dabei. Von Gewand und nicht von einem Vorhang oder einer Draperie zu sprechen scheint vielleicht befremdlich, gilt begrifflich aber der architektonischen Bezogenheit des ungegenständlichen Bildes. Durch manuelles Falten und Färben in der Art von Tagwerken realisiert, zeigt das Bild Falten. Sie erscheinen als Trompe-l’œil einer visuellen Form, die nicht malerisch simuliert, sondern ‚als sie selbst’ manuell prozessiert wurde. Konkreter: Zunächst transformieren Faltungen eine Fläche in ein dreidimensionales Gebilde. Die Sepia-Tusche durchtränkt den Stoff dann unterschiedlich stark, dunkler an der Oberfläche, heller, je tiefer die Faltschicht liegt, wobei sich die Kniffe klar abzeichnen. Beim späteren Auseinanderfalten sehen wir eben jenen illusionistischen Knittereffekt, der eine Falte auf der Stofffläche gleichsam als ins Unendliche vervielfältigt erscheinen lässt. Diese Produktionsweise ist in der Falte angelegt, begreifen wir Falten doch als gleichermaßen extensiven wie intensiven Prozess, der niemals bei sich stehen bleibt, sondern immer zu weiterem Ent/Falten führt. Und wie groß erst wäre das Tuch, glättete man all die virtuellen Falten?

Aus: Die Tat der Falte von Hanne Loreck, 2019

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